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Hier erzähle ich über meine Lagertätigkeit als Löffelschnitzer.  Hier ein paar meiner Löffel und Butterstreicher (Der Becher ist ein Erstlingswerk):

Holzarten: Viele Holzarten sind zum Löffelschnitzen geeignet. Generell sind wohl alle Obstbaumarten geeignet und Nadelbäume meist ungeeignet. Eiche ist wegen seiner Gerbsäure ungeeignet (lässt Klingen rosten und schmeckt nicht). Hier ist eine Auswahl (ohne Unterarten): - Ahorn: Sehr feine und gleichmäßige Faser, hart und doch gut zu bearbeiten. Wurde trotz schlichter Optik sehr gern für Löffel genutzt. - Birke: Feine Faser, mittelhart und gut zu bearbeiten. Neigt nicht zum Reißen. Besonders in skandinavischen Ländern gern für Löffel verwendet. - Kirsche: Feine Faser, die beim Schnitzen aber schon mal bricht, mittelhart bis hart und noch gut zu bearbeiten. Interessante Farbe. - Birne: Sehr feine und gleichmäßige Faser, mittelhart und sehr gut zu bearbeiten. Wohl das beste Obstholz überhaupt. - Erle: Feine Faser, sehr leicht, weich bis mittelhart und gut zu bearbeiten. Darauf achten, das die Klinge scharf ist. - Platane: Feine Faser, hart aber gut zu bearbeiten. Neigt nicht zum Reißen. Wird sehr gern von walisischen Löffelschnitzern benutzt. - Robinie: Feine Faser, sehr hart, schwer zu bearbeiten, da die Faser häufig die Richtung wechselt. Schöne Farbe: Grünlich, Splint hellgelb. * (Goldregen: Feine Faser, sehr hart und schwer zu bearbeiten. Schöne Farbe: Dunkelbraun, Splint hellgelb. Das Holz ist nach einigen Informationen nicht giftig!) * (Eibe: Sehr feine und gleichmäßige Faser, hart und schwer zu bearbeiten. Schöne Farbe: Rotbraun, Splint weißlich. Das Holz ist nach einigen Informationen nicht giftig!) - Linde: Feine Faser, weich und sehr gut zu bearbeiten. Eigentlich zu weich, aber für große Löffel und Kellen noch geeignet. - Außerdem geeignet: Eberesche (nicht giftig), Weißdorn, Wachholder, Flieder, Holunder, Buchsbaum etc. * Ich und einige andere Benutzen es, über die giftigkeit ist man sich uneinig. Werkzeuge: Es gibt viele Werkzeuge, die man für das Löffelschnitzen gebrauchen kann. Sie werden regional unterschiedlich verwendet. Schnitzwerkzeuge haben idealerweise einen Schneidenwinkel von 30° und sollten sehr scharf sein. - Große Bügelsäge (oder Gestellsäge): verwende ich neben der trapezverzahnten Klappsäge (modern aber effektiv) zum Absägen und Längen der Stammrohlinge. - Schweifsäge: Gestellsäge mit schmalem, drehbaren Sägeblatt zum Aussägen von Rohlingen. - Spaltmesser: Mit ihm spalte ich die frischen Stämme (bis d ~ 10cm). Mein Spaltmesser habe ich mir selber gebaut: Klingenmaße 255mmx50mmx5mm, Keilwinkel 30°, Öse d=42/D=48, Eschenholzgriff l=450mm. - Spaltgerüst: In ihm wird der Stammrohling zum Spalten eingeklemmt, um den Spalt mit dem Hebel des Spaltmessers zu lenken. Eine Astgabel tut es auch. - Holzhammer: Braucht man für alles mögliche. - Schnitzaxt oder Schnitzbeil: Fast wie ein Messer angeschliffen und nicht allzu groß, dient sie zum Zurichten des Rohlings. Für viele neben den Messern das wichtigste Werkzeug. - Dechsel: Hohl- und Flachdechsel dienen auch dem Zurichten und Aushöhlen. Von manchen Schnitzern sehr effektiv als Hauptwerkzeug neben dem Messer eingesetzt. - Ziehmesser (auch Ziehklinge oder Schindelmesser): Zum Zurichten der Rohlinge auf dem Hobelpferd. - Hobelpferd (auch Schnitzbank oder Schnietesel): Dient als Klemmvorrichtung für die Rohlinge, um sie mit Ziehmessern zu bearbeiten. - Schnitzmesser: Wichtigstes Messer neben dem Scorpeisen. Die Klinge sollte am besten aus Werkzeugstahl (nicht rostfrei ~ 60 RC gehärtet) sein und nicht länger als 8 cm. Die Schneide muss in einer Linie von 30 ° auf 0 zulaufen (ohne abknickendem Winkel). Eine Parierstange ist beim Schnitzen hinderlich. Gute Klingen gibt es von Frost, Brusletto und Helle. - Scorpeisen (auch Schälmesser oder Löffelmesser): Zum Aushöhlen der Laffe am besten geeignet. Gut und günstig von Frost. - Twa-cam: Eine Art Scorpeisen mit langem Griff, von walisischen Löffelschnitzern benutzt. - Hohleisen (oder Bildhauereisen): Wird zum Aushöhlen der Laffe benutzt. - Blockmesser (auch Schadeisen oder Schnietstock): Dient zum Zurichten des Rohlings. Durch den langen Hebel kann kraftvoll geschnitzt werden. Wird von Holzschuhmachern benutzt. - Hackklotz: Gegenlager für Axt und Messer. - Lederschürze: Schützt die normale Kleidung und vor allem Dich vor Verletzungen. - Schnellspannhaken: Gut zum schnellen Festspannen. Man braucht nur ein passendes Loch in der Werkbank oder im Hackklotz. - Pflaster: Auch der beste Handwerker schneidet sich mal in den Finger! Techniken: Es gibt viele Wege zum Ziel. Ich arbeite meistens mit frischem Holz vor und mache die Endarbeit am trockenen Stück. Birke und Platane kann man fast mit frischem Holz fertig schnitzen, wogegen z.B. Kirsche vortrocknen muss, da es sonst reißt. Es hilft wenig, die genaue Handhabung der Werkzeuge zu erläutern, da jeder das Werkzeug ein bisschen anders hält und benutzt. Wenn man nicht gerade vom Körper wegschnitzt, sollte man die Schnitte so gut kontrollieren, dass man den Schnitt jederzeit unterbrechen kann. Dazu kann man die Finger, Hände und Arme als Hebel und Stoppunkte verwenden, dann ist auch die Verletzungsgefahr gering. - Frische Stammabschnitte absägen. Eine Länge von ca. 45 cm reicht für 2 Esslöffel oder einen großen Löffel. Gebogene Stücke sind besonders geeignet, da die Faser der Löffelform folgt. - Evtl. lagern: Enden mit Wachs versiegeln, Rinde einschnitzen, damit es gleichmäßig und langsam durchtrocknet ohne zu reißen. - Rohling mit dem Spaltmesser aufspalten, mit Hilfe eines Holzhammers und evtl. Spaltgerüst. Entgegen der Rissabweichung drücken. - Beide Rohlingshälften mit dem Beil grob abrichten. - Rohlinge auf dem Hobelpferd vierkantig vorformen. - Löffelform mit Bleistift aufzeichnen - Mit Axt und Ziehmesser Rohling rausarbeiten. Alternativ nimmt man die Schweifsäge, das ist effektiver, aber weniger authentisch (das einfache Volk besaß keine Sägen). - Der frische Rohling muss feucht gehalten werden, damit er nicht reißt. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten: Ins nasse Gras legen, in feuchten Sägespänen lagern oder luftdicht verpacken (Vorsicht Schimmelgefahr). Man kann ihn auch vor dem Trocknen kurz in Salzwasser kochen, damit er Luftfeuchtigkeit anzieht. Je weiter der Löffel seine Form annimmt, desto geringer wird die Gefahr des Reißens. - Nun mit dem Scorpeisen die Laffe ausarbeiten, mit kräftigen Schälschnitten, der Daumen dient als Gegenlager. Früher benutzte ich hierzu ein Hohleisen. - Dann den restlichen Löffel mit den Schnitzmessern in Form schnitzen. - Löffel ein paar Tage/Wochen langsam trocknen lassen. Dann mit dem Messer noch mal nacharbeiten (entfällt, wenn man gleich trockenes Holz nimmt). - Ich schleife meine Löffel nicht, um den Charakter der Handarbeit zu bewahren. Sie sind auch so ausreichend glatt. - Abschließend wird der Löffel noch geölt (am besten mit Leinöl, das härtet nach einiger Zeit aus). Zur Löffelform: Ich bevorzuge die Schwedische/Skandinavische Form (siehe Bild), da sie meines Erachtens die durchdachteste ist. Die Griff ist etwas nach oben geschwungen, die Laffe nicht zu tief ausgehöhlt, um vernünftig damit essen zu können. Der Löffel ist am Übergang Griff/Laffe verstärkt. Wo er nur auf der Hand aufliegt, ist er nicht unnötig dick. Wenn die Laffe parallel zur Faser geschnitzt wurde, darf der Boden sehr dünn sein. |